Einer der schlimmsten Zeitvernichter ist bekanntlich das soziale Netz „Twitter“. Das durfte ich heute wieder einmal selbst erleben, als ich auf dem Weg ins Büro von einem ungewöhnlichen Wunsch las. Und da dessen Umsetzung einerseits nicht sonderlich kompliziert, andererseits aber hinreichend verrückt und auch durchaus lehrreich erschien, habe ich meinen heutigen Arbeitsbeginn um anderthalb Stunden nach hinten verlegt.

Der Wunsch

Worum ging es? Die Bonner Lektorin und Bloggerin @BonnerClara wünschte sich „ein dreiteiliges Pilznamen-Roulette“.

Die Hintergründe dieses eher ungewöhnlichen Wunsches sind mir unbekannt. Seine Umsetzung erschien mir jedoch machbar. Also ging ich mit der Aussicht, mich noch ein wenig vor der harten Arbeit an trockenen Paragraphen drücken zu können, frisch ans Werk.

Der Zufallsgenerator

Wichtigstes Element eines Roulettes ist natürlich ein Zufallsgenerator. Auf die Schnelle brachte die Suche in den WordPress-Plugins hier kein vielversprechendes Ergebnis. Zwar gibt es zahlreiche Speziallösungen, wie etwa Plugins, die zufällige Zitate einblenden. Ich brauchte jedoch eine flexiblere allgemeine Lösung. Da lag der Rückgriff auf die „Web-Programmiersprache“ PHP nahe, in der es kein Problem ist, zufällige Elemente aus Textlisten auszugeben. Doch wie bekomme ich nun PHP in meine WordPress-Beiträge?

Die Lösung lautete selbstverständlich: durch ein Plugin. Ich habe mich auf die Schnelle für „Insert PHP Code Snippet“ entschieden, zu dem es natürlich unzählige Alternativen gibt. Mit dem Plugin kann man kleine PHP-Code-Schnipsel erstellen und durch Shortcuts einfach in beliebige WordPress-Beiträge einfügen. Dem von mir erstellten Snippet habe ich beispielsweise den Namen „Pilzroulette“ gegeben. In den Text dieses Blog-Beitrags wird es dann einfach über

[ xyz-ips snippet="Pilzroulette" ]

eingebunden (ohne die Leerzeichen hinter bzw. vor den eckigen Klammern). Auch bei der Programmierung des Zufallsgenerators habe ich mich aus Zeitgründen (und angesichts etwas eingerosteter PHP-Praxis) auf eine Billiglösung beschränkt: Ich habe drei Felder definiert, die zunächst ein Adjektiv, danach das erste Substantiv und sodann das zweite Substantiv des Kompositums enthalten.  Die Ausgabe des zufällig generierten Pilznamens erfolgt dann einfach über

print $adjektiv[random_int(0, (count($adjektiv)-1))] . " " . $substantiv1[random_int(0, (count($substantiv1)-1))] . "-" . $substantiv2[random_int(0, (count($substantiv2)-1))];

Die Daten

Nachdem die technischen Voraussetzungen geschaffen waren, brauchte ich noch Namensbestandteile für mein Pilznamen-Roulette. Eine schnelle Google-Recherche führe mich auf eine Seite mit über 3 500 alphabetisch sortierten Pilznamen. Nachdem schon schnell deutlich wurde, dass eine vollständige Auswertung der Informationen viel zu aufwendig sein würde, habe ich es im Wesentlichen damit bewenden lassen, einzelne Namensbestandteile zu greifen und händisch in meine PHP-Felder zu übernehmen.

Dabei habe ich mich darauf beschränkt, Namensbestandteile im grammatischen Maskulinum zu verwenden. Hier wäre zwar auch eine geschlechterneutrale Lösung möglich gewesen. Eine solche hätte jedoch durchaus einigen zusätzlichen Programmieraufwand erfordert und damit meinen heutigen Tagesplan endgültig gesprengt. Das Pilznamen-Roulette ist daher (bislang) auf die Generierung männlicher Pilznamen beschränkt. Insoweit bitte ich um Nachsicht.

Inhaltlich umfassen meine drei Datenfelder 125 Adjektive, 53 Substantive für den ersten Teil des Kompositums und 43 Substantive für dessen zweiten Teil. Damit müssten über 250 000 unterschiedliche Pilznamenkompositionen möglich sein, wenn ich mich nicht verrechnet habe. Unter ihnen ist dann natürlich auch der Zierliche Humpen-Speierling.

Der Beitrag

Zum Schluss habe ich soeben noch diesen kurzen Beitrag verfasst. Hierbei habe ich dann auch gelernt, dass WordPress Tweets automatisch einbindet, wenn man die URL des Tweets in den Beitragstext einfügt – was eine sehr praktische Funktion ist. Das Beitragsbild schließlich zeigt leider weder Pilz noch Roulette, sondern das pilzähnlichste Motiv, das ich auf die Schnelle im Büroumfeld ausfindig machen konnte. Das mag als gutes Zeichen für die hiesigen Hygienestandards gesehen werden.

Doch nach dieser langen Vorrede darf natürlich eins nicht fehlen – der zufällig generierte Pilzname: Becherförmiger Lärchen-Milchling

Über den Geschmack und die Verträglichkeit dieses (in aller Regel) fiktionalen Gewächses ist nichts bekannt. Seine Realisierung hat aber jedenfalls etwas mehr als 90 Minuten in Anspruch genommen. Ein kleiner Preis angesichts des Umstands, dass das Internet nun endlich auch über ein dreiteiliges Pilznamen-Roulette verfügt.

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Andreas Blohm

Andreas Blohm

Lebt als Vater von drei Kindern und arbeitet als Volljurist in Bonn. Politisch und musikalisch gleichermaßen interessiert wie untalentiert. Bloggt hier unregelmäßig über Banales und Basales.